RÜCKBLICK und AUSBLICK – FESTSCHRIFT zum VEREINSJUBILÄUM

Anknüpfend an die 1492 entstandene „Hamburger Schiffergesellschaft“ und den1795 gebildeten CAPTAINs TABLE e.V zu HAMBURG, welche sich schon in frühen Jahren mit allen die Seeschifffahrt betreffenden Fragen beschäftigten, gründeten am 14. November 1881 zwölf Hamburger Kapitäne den „Verein Deutscher Seeschiffer zu Hamburg“, der 1960, da in der neuen Gesetzgebung die Bezeichnung Seeschiffer durch „Kapitän“ ersetz wurde, in „Verein der Kapitäne und Nautischen Schiffsoffiziere zu Hamburg“ und 2003, um den neuen Gegebenheiten in der Seeschifffahrt Rechnung zu tragen, in „Verein der Kapitäne und Schiffsoffiziere“ umbenannt wurde. Ziel des Vereins war und ist die Vertretung und Wahrnehmung der Interessen seiner Mitglieder in allen beruflichen Belangen.

Während der Gründungsjahre war die Vereinsmitgliedschaft ausschließlich an den Besitz des Seeschifferpatentes bzw. Kapitänspatentes gebunden. Heute können alle nautischen und technischen Schiffsoffiziere Mitglied des „Vereins“ werden. In den ersten Jahren des Vereins standen soziale Fragen wie Kranken- und Rentenversicherung der Seeleute sowie das Gesundheitswesen an Bord im Vordergrund. Auch bei der Gründung der Deutschen Seemannsmission zu Hamburg 1891 war der Verein beteiligt. Großen Einfluss nahm der Verein auf die Einführung des heute üblichen Drei-Wachen-Systems, auf die Lehrpläne der Navigationsschulen, die Ausbildung und die Förderung des nautischen
Nachwuchses sowie die Regeln zur Untersuchung von Seeunfällen. Zu der in Washington1884 abgehaltenen Konferenz zur Einführung einer international-gültigen Seestraßenordnung gab der Verein gegenüber dem Reichsamt des Inneren seine Vorschläge ab. Schon früh befasste sich der „Verein“ mit dem Problem des Seetransportes „ gefährlicher“ Güter und mit der Erstellung genauer Seekarten und deren ständiger Berichtigung. Ein stetes Anliegen des „Vereins“ war die Verbesserung der Seetüchtigkeit und Sicherheit der Seeschiffe.

Auf Anregung des „Vereins“ wurde 1894 mit den Seeschiffervereinen Weser, Flensburg, Stettin und der Schiffergesellschaft Lübeck der „Verband Deutscher Seeschiffervereine“ gegründet, für den der „Verein“ bis 1939 als geschäftsführender Verein tätig war. Die Internationalität der Seeschifffahrt führte zu einer Zusammenarbeit mit Kapitänsvereinen verschiedener anderer europäischen Staaten. Heute ist der „Verein“ als ordentliches Mitglied im VDKS - Verband Deutscher Kapitäne und Schiffsoffiziere in der CESMA - Confederation of European Shipmaster’s Association in Europa und in der der IFSMA - International Federation of Shipmaster’s Association weltweit durch diese Dachverbände vertreten. Bis zum1.Weltkrieg fanden die Verbandstage stets in Berlin, später dann in Hamburg und heute im jährlichen Wechsel an den Standorten der dem Verband angeschlossenen Mitgliedervereine Bremen, Bremerhaven, Hamburg, Lübeck, Rostock und Stralsund statt. Mit Gründung des Verbandes gingen viele Aufgaben der dem Verband angeschlossenen Vereine an den heutigen VDKS - Verband Deutscher Kapitäne und Schiffsoffiziere, ehemals „Verein Deutscher Seeschiffervereine“ über. Der schon frühzeitig vom „Verein“ angedachte Rechtsbeistand für seine Mitglieder in beruflichen Belangen liegt heute in den Händen des Verbandes. Als ein großherziges Geschenk übereignete im Jahre 1912 die Witwe des Reeders Adolph Woermann ihre Familienvilla in der Neuen Rabenstraße dem Verein. Der Unterhalt des im Kriege schwer beschädigten alten Vereinshauses überstieg die finanziellen Möglichkeiten des Vereins. Das Haus musste verkauft werden; der Verkaufserlös, die Unterstützung durch fahrende Kapitäne, die Hamburger Reeder und eine Förderung durch den Hamburger Senat ermöglichten der 1949 von Vereinsmitgliedern gegründeten „Stiftung Seefahrtsdank“ den Bau eines neuen Adolph-Woermann-Hauses mit Versammlungsräumen und 60 Kleinwohnungen für seine durch die Kriegseinwirkungen in Not geratenen Vereinsmitglieder an der Palmaille in Hamburg-Altona.. Vier Jahrzehnte später wurde das Haus modernisiert und erweitert. Der „Verein“ unterstützte von Anbeginn den Gedanken der „Cap Horniers“ zur Schaffung eines Ehrenmals in Hamburg für die auf See gebliebenen Fahrensleute aller Nationen. Dieses Denkmal wurde 1985 feierlich am Altonaer Fischmarkt eingeweiht.

Zwischen den Weltkriegen standen ebenfalls soziale Belange, Fragen der Navigation sowieder Schiffssicherheit im Vordergrund. Ein Thema für den „Verein“ war die Besetzung und Führung von Luftfahrzeugen mit Nautikern und Kapitänen. Eng wurde mit dem „Deutschen Nautischen Verein“ zusammen gearbeitet. Während des 2.Weltkrieges wurde der „Verein“, wie auch die Brudervereine, dem Zentralverein für deutsche Seeschifffahrt unterstellt; die Selbständigkeit blieb jedoch weitgehend unangetastet., aber das Vereinsleben ruhte fast vollständig.

Bereits im Oktober 1945 fand wieder die erste Mitgliederversammlung statt. Durch das Daniederliegen der deutschen Seeschifffahrt waren die Nautiker und Kapitäne gezwungen in anderen Berufen ihr Auskommen zu suchen. Durch die Kriegseinwirkung war die Mitgliederzahl stark gesunken. Im Jahre 1951 wurde neben dem Vorstand ein Ältestenrat eingerichtet. Vier Jahre später wurde das Mitteilungsblatt des Vereins „Die Kommandobrücke“ heraus gebracht; die heute als Teil der Fachzeitschrift „Schiff und Hafen“ erscheint. Das Wiederaufleben der Wirtschaft brachte auch einen Aufschwung für die deutsche Schifffahrt. Die Einführung moderner Systeme in Navigation, Kommunikation, Schiffbau und Sicherheit stellte die Schiffsführungen vor neue Herausforderungen. Das Für und Wider der Ausbildung des seemännischen Nachwuchses auf Segelschiffen führte zu heftigen Diskussionen. Der „Verein“ forderte mit Nachdruck eine Anpassung der Navigationsausbildung an die neuen Anforderungen und Gegebenheiten an Bord der Schiffe und erhöhte schulische Voraussetzungen zum Erwerb der nautischen Patente.

Eine vorrangige Aufgabe für die Zukunft ist die Gewinnung hoch motivierten Nachwuchses für den Beruf des Kapitäns und der nautischen und technischen Schiffsoffiziere. Sorge bereitet allen Kapitänen und Schiffsoffizieren die zunehmende Kriminalisierung ihres Berufsstandes, wo z.B. bei Schadensfällen und Havarien, die nicht von einer Schiffsführung zu verantworten sind, diese aber haftbar gemacht werden. Beide Probleme können nur gemeinsam in internationaler Anstrengung und in Zusammenarbeit aller Kapitänsvereinigungen sowie der gesamten internationalen Reederschaft gelöst werde.

Gegenwärtig zählt der „Verein“ 262 Mitglieder, davon sind
42 aktive Kapitäne,
49 aktive Wachoffiziere,
77 Landangestellte,
65 Pensionäre,
21 Studenten und
8 außerordentliche Mitglieder.
Stichtag dieser Erhebung der Mitgliederzahlen war das Jubiläumsdatum am 14.November 2006. Die Gewinnung neuer Mitglieder, welche im Sinne der Tradition an der Gestaltung des Vereins engagiert mitarbeiten wollen, ist unser Wunsch an die Zukunft..

BEITRAG der FESTSCHRIFT vom 14.NOVEMBER-2006 im 125-jährigen JUBILÄUMSJAHR